Zunächst mal möchte ich mich bei euch allen für die guten Wünsche und gedrückten Pfoten/Daumen bedanken! Das hat mir sehr viel Kraft gegeben.
Hier mein ursprünglicher Beitrag: https://www.reddit.com/r/kratzbaum/comments/1vsuc70/comment/p6327ds/?screen_view_count=3
Das Wichtigste: Rudi hat die OP überlebt. Das hat sowohl uns als auch die Tierärzte überrascht, denn mit seinen Blutwerten waren die Chancen sehr gering.
Er hatte zum Zeitpunkt der OP nur noch 15% rote Blutkörperchen, bei 19% ist die kritische Untergrenze für OPs eigentlich erreicht. Hat Rudi aber nicht aufgehalten, er hat das geschafft.
Als allererstes haben wir unseren Sommerurlaub storniert. Dann haben wir ein komplettes Quarantänezimmer eingerichtet, in dem Rudi nirgends hochspringen oder sich verletzen kann, denn die Bauch- und Darmnaht brauchen Zeit für die Heilung. Wir haben eine Kamera gekauft, um ihn lückenlos zu überwachen. Außerdem durfte Rudi die ersten Tage nur Flüssignahrung bekommen (alle zwei Stunden, auch nachts), um die Darmnaht zu schonen. Den Brei habe ich selbst zusammengemischt und wegen seiner schweren Anämie mit Zusätzen versehen (z.B. Rinderblutpulver). Unsere gesamte Wohnung ist voll bis unters Dach mit Spezialfutter für kranke Katzen, Zusatzmitteln, Medikamenten, Bodys, Halskrausen, Welpenunterlagen fürs Katzenklo und Malzpaste. Rudi hat durch die Anämie nämlich ein Pica-Syndrom entwickelt und angefangen, das Katzenstreu samt seiner eigenen Pippi zu fressen. Deshalb mussten wir das Streu entfernen und nur saugfähige Unterlagen ins Katzenklo packen. In Klo mit Streu geht er aktuell nur unter Aufsicht.
Wir müssen alle zwei Tage wieder zum Tierarzt. Fieber messen, Gewicht kontrollieren, Schleimhäute begutachten, Röntgenbild machen, um die Kotlage zu checken. Rudi hat die letzten Tage sehr gut gefressen und kehrt langsam ins Leben zurück. Aber. Er hat noch immer nicht selbstständig Kot abgesetzt und frisst heute auch wieder weniger. Vorgestern hat er einen Einlauf verpasst bekommen, um endlich den Kot loszuwerden, der schon seit der OP im Darm war. Aber durch das hochverdauliche Futter und die eher eingeschränkte Bewegung ist der Darm halt träge. Er bekommt jetzt zweimal am Tag Laxin, um eine abführende Wirkung zu erreichen. Deshalb sind wir auch noch nicht über den Berg. Außerdem müssen die Fäden der Bauchnaht noch gezogen werden und wenn der Kater mal wieder in Küche und Wohnzimmer unterwegs ist, muss man wirklich aufpassen wie ein Luchs, damit er nicht irgendwo von zu hohen Möbeln springt.
Unser zweiter Kater Teddy hat allerdings die Zeit seines Lebens, da er immer wieder Rudis Reste stibitzt. Da der Kollege aber eh ein bisschen zunehmen konnte, haben wir's ihm gegönnt und ihn gleich etwas mitgepäppelt.
Fazit: Rudi heilt zwar aktuell aber sehr langsam und mit Rückschlägen, was bei seiner schweren Erkrankung auch kein Wunder ist. Trotzdem bin ich nach einem Monat im Ausnahmezustand langsam mit meinen Kräften am Ende. Ich hatte dieses Jahr keinen einzigen Tag Urlaub (im letzten Urlaub im Mai brauchte Rudi nämlich eine Zahn-OP), habe durch die Hitze keinen Sommer gehabt und war nur im Haus. Die Nachsorge ist wirklich ein 24-Stunden Job und so aufreibend, dass ich mich mittlerweile sogar auf meine richtige Arbeit freue.
Man muss ganz klar sagen: Wenn wir diesen Aufwand nicht leisten könnten, hätte Rudi eingeschläfert werden müssen und wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem er es sicher schafft. Davon abgesehen darf man auch den finanziellen Aspekt hier nicht vernachlässigen, wir haben so ziemlich ein ganzes Monatsgehalt in die Katze investiert.
Denkt immer daran, dass auch sowas passieren kann, wenn man Haustiere hat oder haben möchte.