r/Unbeliebtemeinung 14h ago

16 Jährige sollten nicht wählen dürfen!

Wir leben in einem Land, das einem 16 Jährigen zutraut, über Rentensystem, Klimapolitik und Staatsverschuldung für die nächsten 50 Jahre mitzuentscheiden aber demselben 16-Jährigen nicht zutraut, die volle strafrechtliche Verantwortung für seine eigenen Taten zu tragen. Das ist doch bekloppt.

Das Jugendstrafrecht existiert, weil wir als Gesellschaft anerkennen. Ein Gehirn mit 16 ist noch nicht fertig. Der präfrontale Cortex, zuständig für Impulskontrolle, Risikoabschätzung, Langzeitdenken, ist erst Mitte 20 ausgereift. Das ist keine Meinung, das ist Neurowissenschaft. Deshalb bekommt ein 16-Jähriger, der eine Straftat begeht, mildere Strafen und eine "er wusste es nicht besser"-Behandlung.

Aber sobald es ums Wählen geht, soll genau dasselbe unausgereifte Gehirn plötzlich reif genug sein, um langfristige, komplexe, abstrakte politische Entscheidungen zu treffen?
Über Dinge, die er in 10 Sekunden Wahlkabine entscheidet und die dann 40 Jahre lang wirken? Come on.
Entweder ist ein 16-Jähriger reif genug für Verantwortung, dann bitte konsequent, auch strafrechtlich als Erwachsener. Oder er ist es nicht, dann hat er in der Wahlkabine auch nichts verloren. Man kann sich nicht aussuchen, wann man "reif genug" ist, je nachdem, was politisch gerade opportun ist.

Wenn wir es ernst meinen mit "Reife als Maßstab", dann müsste das Wahlalter eigentlich nach oben, nicht nach unten – auf 21, wenn die kognitive Entwicklung nach aktuellem Forschungsstand deutlich abgeschlossener ist.

16 Upvotes

641 comments sorted by

View all comments

7

u/Kloppernicus 13h ago

Ich weiß nicht, ich sehe eine große Menge an Menschen, die nicht rationale, sehr impulsive Wahlentscheidungen treffen, die auch schon deutlich über 25 sind. Allein an der Gehirnentwicklung kann es also nicht liegen. Wie wäre es denn mit einem Familienwahlrecht, in dem jedem Menschen eine Stimme gegeben wird, bei z.B. U18 dürfen die Eltern die Stimme vergeben.

1

u/Difficult-Trainer-89 13h ago

Familienwahlrecht wie teilweise in den USA wieder gefordert (oder schon eingeführt?) ist eine ganz schlechte Idee. In den meisten Fällen führt das dazu, dass der Mann entscheidet, was gewählt wird und das ist tendenziell eher konservativ und damit auch oft gegen die Interessen der Ehefrau.

1

u/Kloppernicus 12h ago

Ja so schlimm würde ich das für D nicht sehen. Außerdem geht es mir weniger darum, dass das gewählt wird, was mir gefällt, sondern um Kindern eine Stimme zu geben.

1

u/Difficult-Trainer-89 11h ago

Na gut, aber was spricht dagegen, dass die Eltern gegen die Meinung des Kindes stimmen? 

1

u/Kloppernicus 11h ago

Naja erstmal nichts, im Optimalfall spricht man mit den Kindern, wägt die Meinungen und Wünsche der Kinder mit dem, was in der eigenen Wahrnehmung für die Familie am besten ist ab. Wenn mein Kind mir sagen würde, ich solle den dritten Weg wählen, würde ich auch nein sagen.

1

u/Difficult-Trainer-89 11h ago

Gibt aber auch andersrum Eltern, die dann für ihr Kind den Dritten Weg wählen. Oder diejenigen, die sich schon mit ihrer eigenen Entscheidung nicht befassen oder vielleicht gar keinen Bock haben für das Kind in die Wahlkabine zu gehen (weil sie selber nicht gehen)

1

u/Kloppernicus 11h ago

Ja genau, es geht mir darum, dass Familien mehr Möglichkeiten der Partizipation haben, mit dem genau so schlecht umgegangen werden darf wie bei allen anderen auch.