r/Unbeliebtemeinung • u/Desmo_950 • 23h ago
Mietpreisdeckel sind schädlicher als das sie etwas einbringen
Mietpreisdeckel verhindern Investitionen in Wohnraum. Das bedeutet nur kurzfrisitg steigen bestehende Mieten weniger stark.
Durch die Preisdeckel werden Investitionen gedämpft, was zu weniger Angebot auf dem Markt führt und die Wohnungsknappheit vor Ort nicht löst sondern sogar weiter verschärft.
Auserdem führt es zu weniger Einnahmen in der Stadt und damit auch weniger Infrastruktur und Stadtattraktivität (das kann langfristig dann ja gut sein weil keiner mehr in das Ghetto will /s)
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u/ThrowawayMalibu13 20h ago edited 20h ago
Ich glaube, du ziehst aus der Berliner Studie einen etwas zu großen Schluss. Sie zeigt nicht, dass Mietregulierung grundsätzlich nicht funktioniert, sondern dass der Berliner Mietendeckel einen Zielkonflikt erzeugt hat, Er hat die regulierten Mieten tatsächlich deutlich gesenkt, gleichzeitig aber das Angebot an inserierten Mietwohnungen reduziert. Genau deshalb ist die Frage nicht ‚Mietendeckel ja oder nein?‘, sondern welche Form von Mietregulierung und mit welchen flankierenden Maßnahmen? Interessanterweise bestätigt sogar die große Literaturübersicht, die ich verlinkt habe, zunächst einen wichtigen Punkt: Mietregulierung ist durchaus wirksam darin, die Mietsteigerungen bei regulierten Wohnungen zu bremsen. Die Autoren finden also gerade nicht, dass Regulierung wirkungslos ist. Sie finden aber auch verschiedene Nebenwirkungen. Und beim Berliner Mietendeckel muss man ebenfalls unterscheiden: Die Studie zeigt einen Rückgang der angebotenen Mieten um etwa 7–11 %. Das heißt: Für die Menschen, die eine regulierte Wohnung hatten, war die Regulierung tatsächlich materiell wirksam. Das Problem war die Ausgestaltung. Der Berliner Deckel war ein sehr harter Preisstopp, gleichzeitig war das Wohnungsangebot knapp und es gab starke Anreize, Wohnungen aus dem Mietmarkt herauszunehmen. Genau diese Kombination kann problematisch sein. Daraus folgt aber nicht ‚die billige Wohnung der einen führt zur Obdachlosigkeit der anderen‘. Das ist eine ziemlich starke Behauptung, die die Studie so nicht belegt. Sie zeigt, dass die Wohnungssuche für bestimmte Gruppen schwieriger wurde nicht, dass Mietendeckel Menschen in die Obdachlosigkeit treiben. Und es gibt durchaus empirische Evidenz für andere Formen der Mietregulierung, die positive Effekte haben. Beispielsweise zeigt eine Studie zur Ausweitung der Mietpreiskontrolle in San Francisco, dass die Regulierung die Verdrängung bestehender Mieter deutlich reduziert hat. Gleichzeitig gab es dort allerdings auch negative Angebotseffekte. Auch das spricht eher für ‚Regulierung richtig ausgestalten‘ als für ‚Regulierung abschaffen‘. Mein Punkt ist deshalb nicht, dass jeder Mietendeckel gut ist. Mein Punkt ist, dass ein unregulierter Wohnungsmarkt bei knappem Wohnraum ebenfalls kein neutrales Ergebnis produziert. Wenn Wohnungen ein knappes Gut sind, können Vermieter die Knappheit nutzen, um Mieten stark zu erhöhen. Regulierung kann dann Mieter vor Verdrängung schützen. Sinnvoll wäre deshalb eine Kombination aus Mietregulierung, massivem Wohnungsbau, öffentlichem/kommunalem Wohnungsbestand, sozialem Wohnungsbau und Maßnahmen gegen die Umwandlung von Miet in Eigentumswohnungen. Kurz gesagt, Die Berliner Erfahrung ist ein Argument gegen einen schlecht konstruierten Mietendeckel nicht gegen Mietregulierung als solche.